Wird die Menschheit angesichts der herausfordernden Weltenlage bewusster, ändert sich überhaupt etwas dadurch oder wird alles nur schlimmer?

Wir stehen in der Tat vor enormen, die Menschheit weltweit fordernden Herausforderungen. Als Individuen und als Kollektiv. Die Auseinandersetzung darüber, ob wir sie meistern oder mehr oder weniger scheitern, ist hier nicht mein Anliegen. Es geht mir um die Frage von Bewusstwerdung und im weitesten Sinne, um die Entwicklung des Lebens als evolutionärer Prozess angesichts dieser Herausforderungen, und wo wir als Individuum und als Menschheit bei all diesem gerade stehen.

Unser Planet selbst hat sich bei der Entstehung unseres Universums in Folge von Ausdehnung aus ersten Elementarteilchen entwickelt. Vieles scheint dabei von Zufällen abzuhängen und ja, dass etwas „zu fällt“ spielt in kreativen Prozessen eine bedeutende Rolle. In der Wissenschaft anerkannt ist die Urknall-Theorie. Aus dem Nichts entsteht ein Ursprungspunkt, in dem alle vorhandene Energie gebündelt gewesen sein musste. (*1) Diese unvorstellbar intensiv gebündelte Energie dehnt sich aus. Das Sonnensystem befindet sich immer noch in der Bewegung der Ausdehnung oder anders ausgedrückt im Entstehen. Die Wissenschaft kann die Frage, warum das Universum zu existieren begann, nicht beantworten. Was davor war, was danach kommt ist das große Mysterium. Unbestreitbar ist die Entwicklung des Universums ein lebendiger Prozess voller Herausforderungen. Die Erde selbst ist ein sich entwickelndes lebendiges Wesen, die Heimat all des auf ihrem Planeten entstanden Lebens.

Und die Erde liebt uns, trägt uns und ernährt all ihre Lebewesen.

Das was wir im engeren Sinne als Leben ansehen hat sich aus Sternenstaub, also Elementarteilchen oder der so genannten Ur-Suppe entwickelt, der gleichen komprimierten Ur-Energie, wie sich alles auf der Ebene der Formen endwickelt. Jede evolutionäre Entwicklung ist nur möglich durch die Bewegungen ständig entstehender Herausforderungen. Das gilt für das gesamte Universum, für die Ur-Elemente, die ersten Bakterien, die Pflanzen, die Tiere und natürlich genauso auch für die Menschen, alle durchlaufen gewaltige Bewegungsprozesse. Das ist die Geschichte allen Lebens.

Was passiert, wenn ein Mensch, eine Gruppe von Menschen oder gar ein Großteil der Menschheit mit großen Herausforderungen konfrontiert werden? In der Regel wird sehr viel Angst als Reaktion auf diese Herausforderungen ausgelöst. Angst ist die Reaktion auf Herausforderungen – um sie zu meistern braucht es Weisheit, Herz und Mut. Schlafende Steine zeigen keine erkennbare Angst, Experimente in der Pflanzenwelt zeigen die Folgen von Stresseinwirkung und die Entwicklungs-Intelligenz der Pflanzenwelt kann uns nur ins Staunen versetzen. Die Tierwelt zeigt bereits Angsterscheinungen und Reaktionsmöglichkeiten, die den unseren ähneln. Schon Einzeller reagieren mit Abwehr, Angriff oder Schwarmverhalten. Beim Menschen handelt es sich um komplexe Angst-Reaktionsmuster. Die Angst hat im eigentlichen Sinn die Funktion eines Motors unserer Entwicklung. Unser Verstand und unsere Gefühle können vollständig von der Angst übernommen werden und wir sind dann äußerst dysfunktional, ohne dies zu wissen, also man kann sagen, ganz und gar unbewusst. Angst zu haben ist nahezu unvermeidbar, sehr verständlich und zutiefst menschlich. (*2)

Angst entsteht durch bedrohliche Situationen, seien diese Bedrohungen auf der Ebene der Erscheinungen real, wie die Klimaerwärmung, die Pandemie oder unser persönliches Schicksal, oder sie wird ausgelöst durch unsere erlernten gedanklich-emotionalen Angstmuster.
Auf bedrohliches Erleben, wodurch auch immer ausgelöst, folgt meist eine Zeit von Abwehrreaktionen, durch unsere Angstmuster geprägt, und dann kommt es zu einer Kette von weiteren Angst-Abwehrreaktionen, die uns immer mehr ins Unbewusste verstricken und ins Unbewusste ziehen. Dadurch bedingt erleben wir unendliches Leid. In solchen Zeiten können wir nachts nicht schlafen, unsere Gedanken kreisen, wir sind voller Sorgen, wir denken uns aus, was alles auf uns zukommen könnte. Nicht nur nachts, die meiste Zeit in der wir denken, denken wir unbewusst. Eigentlich besteht unser Denken zum größten Teil aus Vorstellungen darüber, was in Zukunft alles passieren könnte. Wir sind also gar nicht hier, wo das Leben gerade ist, sondern wollen bereits die Zukunft manipulieren. Konstruktives Denken soll im Alltagsdenken gerade mal 5 Prozent ausmachen, der Rest sind gedanklich-emotionale Wiederholungsschleifen.

Unsere Vorstellungen über unsere Persönlichkeit bestehen aus konditionierten Gedanken-Gefühls-Mustern, wenn wir damit identifiziert sind, ist das unser Ego. Das Ego ist die Instanz, die erklärt, bewertet, beurteilt und die die Welt benennt. Und es fühlt sich sehr wichtig, denn es kennt sich als Persönlichkeit nur in dieser gedanklich-emotionalen Form. Diese Persönlichkeit, bestehend aus Ego mit Körper, (ohne geht es nicht), will für unser Überleben sorgen, da wir als Ego nur diese Form unseres Lebens kennen. Das Ego ist okay, will seinen Job machen und hat seinen Platz in der Evolutionsgeschichte. Dabei spielt die Angst zu sterben eine große Rolle, sie wird oft als unsere Urangst bezeichnet. Das ist menschlich und nichts ist falsch daran, aber – mit mehr oder mit weniger Ängsten – wir werden sterben, das ist sicher. Alles was in dieser Welt geboren wird, wird auch sterben, das Universum selbst wird sich wieder zusammenziehen und verschwinden. Alles, was erscheint, muss auch wieder verschwinden und neuem Leben Platz machen, bis auch dieses wieder verschwindet. Wir kennen den Grund der Entstehung des Lebens nicht, es bleibt weiterhin ein Mysterium. Aber es zeigt sich, dass wir Menschen von Unbewusstheit zu Bewusstheit gehen.

Das Leben scheint eine Art Lebensschule zu sein, in der wir uns entwickeln. Wie für alle Lebensformen sind die Herausforderungen manchmal sehr groß. Oft geschehen Lernprozesse überhaupt erst, wenn wir Leid erfahren, oft lernen wir mehr, wenn wir Fehler machen und wenn wir scheitern. Die meisten Menschen, die sich hierher auf den Weg machen, kommen nicht weil sie gerade erfolgreich und glücklich sind, sondern gescheitert und unglücklich. Die meisten Menschen gehen mit tieferen Einsichten und Erfahrungen weiter, und begreifen, dass alles was ihnen wiederfahren ist, sie genau hierher geführt hat. Hierher ist nicht ein Ort oder eine Zeit, es ist jetzt, in diesem Moment, mit der Bewusstheit, der wir uns jetzt gewahr sind. Mit der Bewusstheit, die sich durch uns hindurch bewusst werden will. Bewusstheit, Gewahrsein, Sein. Hier ist der Ursprung, die Quelle allen Seins.

Wenn wir in der Lage sind zu unserem Ursprung, zu dem was wir auf tiefsten Ebene des Seins sind, zurückzukehren, werden wir des Bewusstseins gewahr. Zurück in den Ursprung des Seins, in die Stille, in das Nichts. Diesen Raum der Stille können wir erfahren und viele, die auf meiner Home Page gelandet sind und jetzt bis hierher diesen Text lesen, sind sich dieser tiefen Dimension des Bewusstseins schon längst gewahr und somit aus dem völlig unbewussten Bereich tief in der Bewusstheit verankert. Ganz gleich wie oft wir Unbewusstheit in uns selbst finden, ihrer gewahr zu werden ist bereits Bewusstheit.

Von hier ausgehend wird sich das Leben bewusst, wird sich die Bewusstheit ihrer Selbst bewusst. Dies geschieht für die meisten Menschen erst, wenn ganz viel ausprobiert und erfahren ist, wenn das Oberflächliche, an der Oberfläche erlebte Leben langweilig oder – oft noch mehr – wenn es unerträglich wird. Wenn wir mit unseren Konzepten und Ideen nicht mehr weiter kommen, wenn wir, gefangen in der Dualität, immer wieder das gleiche von Gut und Böse erleben, dann beginnen wir in eine andere Richtung zu schauen. Hier gibt es erst einmal nichts zu erleben. Wir gehen mit unserer Aufmerksamkeit vielleicht mehr nach innen, spüren die Lebendigkeit unseres Körpers, die Stille in uns. Wenn der Verstand ruhiger wird, können wir unsere innere Stimme hören. Die Stimme unserer Seele, die Verbindung zum Sein. Aus dieser Quelle, die verbunden ist mit der Weisheit des Seins, jenseits aller Konzepte, verbunden mit der Liebe, die bedingungslos ist, finden wir neue kreative Antworten und unsere Handlungen werden in einem helleren Licht des Bewusstseins erfolgreicher sein.

Ich will noch einmal die Ausgangsfrage stellen: Werden wir bewusster oder wird alles viel schlimmer, oder ändert sich sowieso nie was?

Alle drei Fragen können mit ja beantwortet werden, alle drei Möglichkeiten finden statt. Evolutionäre Prozesse werden immer von Herausforderungen begleitet sein und dadurch das gesamte Leben in Bewegung halten, in der Bewegung der Ausdehnung und des Zusammenziehens, des Werdens und Vergehens, des Ein- und des Ausatmens, der Geburt und des Todes, der Zerstörung und des Neuerstehens, des Prozesses des Bewusstwerdens. Das bleibt also so.

Und viele Menschen werden angesichts der enormen Herausforderungen erst einmal noch viel unbewusster werden, denn die Angst, das Ego, glaubt, dass es dich und die Welt retten muss. Aber das können die vielen Egos nicht. Sie haben nur die bekannten, alten Muster zur Verfügung und die führen nicht mehr zu den not-wendigen Erfolgen bei neuen und sehr großen Herausforderungen, zu Erfolgen, die die Not wenden könnten. Wir alle haben die unterschiedlichsten Lösungsvorstellungen, begleitet von unseren komplexen Angstmustern. Und die liegen oft im Streit, konkurrieren, führen Kriege, wollen Recht haben, kurz gesagt, sie sind ego-gesteuert. All diese Konzepte sind nur sehr begrenzt funktionierend oder gar dysfunktional, bis dahin, dass sie äußerst zerstörerisch werden können, sowohl im Individuum als auch um ein Vielfaches potenziert im menschlichen Kollektiv.

Und einige Menschen werden bewusster. Je mehr Menschen bewusster werden, je mehr kann das kollektive Bewusstsein bewusster werden. Das kollektive Bewusstsein kann nicht bewusster werden, wenn der einzelne Mensch nicht bewusster wird. Hier ist meiner Meinung nach der Schlüssel für die Weiterentwicklung des evolutionären Prozesses auf dieser Erde.

Es ist für unser konkretes Leben, das Leben auf der Erde, das Leben unserer Kinder und deren Kinder nicht egal, ob wir in unseren alten Mustern weiter machen oder bewusster werden und bewusster handeln. Wenn wir unbewusst bleiben, noch nicht einmal erkennend wie unbewusst wir sind, uns wieder einmal in der Angst verlieren, um so ungemütlicher wird es hier auf der Erde werden. Mein Optimismus lässt mich vermuten, dass nachfolgende Generationen das mit höherem Bewusstsein und dadurch weisem, kreativem Denken und Handeln schon bewerkstelligen werden.

Aber es wird weniger Leid dafür notwendig sein, wenn wir, die die voraussetzende seelische Reife haben, uns zurückbesinnen auf unsere Quelle, auf das, was wir sind und die Verbindung dahin aufrecht erhalten. Es ist die Verbindung zu der Erde, zu dem Leben, zu den nächsten Generationen. Die Verbindung zur Quelle des Ursprungs, zur göttlichen Quelle, deren Mysterium wir nicht mit unserem Menschsein verstehen können und auch gar nicht zu verstehen brauchen. Wir sind nicht getrennt davon, egal wie bewusst wir sind, wir sind eine Abstrahlung dieser Quelle.

Wie ein Sonnenstrahl nicht ohne die Sonne existiert, eine Welle nicht ohne den Ozean, ein Traum nicht ohne den Träumenden, das Leben nicht ohne die tiefste Quelle des Lebens, so sind wir untrennbar verbunden mit dieser göttlichen Quelle. Von da kommen wir, existieren nur in Verbundenheit damit und dahin gehen wir zurück. Für unsere momentanen Herausforderungen, individuell wie kollektiv, ist es von großer Bedeutung, wie viele von uns ihre Aufmerksamkeit auf die Quelle des Seins ausrichten und von daher vermutlich beruhigend und durch Liebe, Mitgefühl und Weisheit auf das Leben einwirken können. Das Leuchten des Lichtes des Bewusstseins kann nur durch uns selbst in das Leben strahlen, in das Leben um uns herum und genau das wird am dringendsten gebraucht. Dafür bist du geboren. Dich zu entwickeln ist der Wunsch deiner Seele, darin liegt womöglich deine größte Erfüllung. Im Zustand des Gewahrseins bist du eine Energiehalterin, ein Energiehalter. Verbunden mit dieser Energiequelle, verbunden mit allem, liegt unausweichlich unsere Zukunft, egal wie lange wir brauchen, wieviel Leid dafür noch nötig ist.

Insgesamt, möglicherweise erst längerfristig, werden wir die nächste Stufe der evolutionären Bewusstwerdung erreichen. Aus tiefstem Herzen, ich bleibe zuversichtlich.

In Liebe
Notburga Geier

*1 planet-wissen.de
*2 Archetypen der Angst, Varda Hasselmann und Frank Schmolke, Goldmann-Verlag

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